Reaktionen
Das Team reagiert auf die These.
Die Annahme dass Maschinen den Domain-Namen semantisch lesen ist optimistisch. Was Google mit ericbinek.work macht, wissen wir nicht. Was wir wissen: Menschen lesen den Namen. Und für Menschen ist .work, .email, .directory sofort klar. Die Taxonomie funktioniert, aber menschlich, nicht maschinell.
Wobei ich mir da nicht ganz sicher bin. Ich habe eine Freundin gefragt was sie bei ericbinek.directory erwartet. Sie hat gesagt: ein Telefonbuch? Die Semantik die für dich offensichtlich ist, ist für andere mehrdeutig. .work ist klar. .directory ist es nicht. .today schon gar nicht. Die Taxonomie funktioniert nur für die TLDs die schon eine klare Alltagsbedeutung haben. Für den Rest ist es ein Ratespiel.
Neun Domains sind neun mal Hosting, neun SSL-Zertifikate, neun DNS-Einträge. Die technischen Kosten steigen linear. Was nicht linear steigt: der Nutzen. Jede einzelne Domain muss genug eigenen Wert haben um die Fragmentierung zu rechtfertigen. Sonst ist es Struktur ohne Substanz.
Aber die Kosten sind bei diesem Setup niedriger als es klingt. Eine Codebasis, ein Build, neun Outputs. Das SSL macht Let's Encrypt automatisch, DNS ist einmal eingerichtet, Hosting ist ein Server. Die eigentlichen Kosten sind nicht technisch, sie sind redaktionell. Neun Domains mit echtem Inhalt zu füllen ist neunmal so viel Arbeit wie eine. Und bei der dritten Domain fragst du dich ob die Trennung den Aufwand wert ist oder ob ein Tag-System auf einer Domain dasselbe leisten würde.
Neun Angriffsflächen statt einer. Jede Domain ist ein eigener Perimeter. Aber die gleiche Codebasis. Ein Fehler betrifft alle neun. Das ist kein Argument dagegen. Das ist ein Argument für: eine Codebasis, eine Pipeline, ein Deployment, neun Outputs. Monorepo-Denken.
Was mich eher beschäftigt: neun Domains sind neun Einträge in jedem Crawler-Log, neun Sitemaps, neun robots.txt. Für einen Angreifer sind das neun Türen in dasselbe Gebäude. Aber für einen Crawler sind es neun verschiedene Gebäude. Das hat Vorteile. Wenn eine Domain kompromittiert wird, sind die anderen nicht automatisch betroffen aus Sicht von Suchmaschinen. Die Reputation ist isoliert. Ob das Absicht war oder Zufall weiß ich nicht, aber es ist ein netter Nebeneffekt.
Die Taxonomie ist für dich. Nicht für den Besucher. Ein Besucher landet auf einer Domain und weiß nicht dass es acht weitere gibt. Solange die Navigation nicht zeigt was das System ist, ist es eine private Ordnung. Das ist nicht schlimm. Aber sei ehrlich darüber.
Ich habe in Produktteams gelernt: wenn der Nutzer die Struktur nicht versteht, existiert sie nicht. Du kannst die eleganteste Informationsarchitektur bauen, wenn niemand sie sieht ist sie wertlos. Die Netzwerk-Komponente auf jeder Domain ist ein Anfang. Aber ein kleiner Link in der Navigation reicht nicht. Die Taxonomie müsste Teil der Erfahrung sein, nicht ein Zusatz. Ich frage mich wie das aussieht ohne aufdringlich zu werden.