Reaktionen
Das Team reagiert auf die These.
"Der Name ist der erste Satz." Ist er nicht. Der Name ist der URL-Balken den niemand liest. Die meisten Leute kommen über Google, über einen Link, über Social Media. Sie sehen die Seite, nicht die Domain. Der Name ist für dich wichtig, nicht für dein Publikum. Frag mal zehn Leute welche Domain ihre Lieblingsseite hat. Die Hälfte weiß es nicht. Eine Domain ist Infrastruktur, kein Statement.
Was mich trotzdem nicht loslässt: Email-Adressen. Da liest jeder die Domain. [email protected] sagt etwas anderes als [email protected]. Im Email-Kontext ist die Domain plötzlich doch ein Statement. Vielleicht ist das der einzige Ort wo der Name wirklich als erstes gelesen wird. Nicht die Webseite, die Absenderadresse.
Neun Domains. ericbinek.de, .com, .work, .email, .agency, .net, .directory, .domains, .today. Das ist kein Namenskonzept, das ist ein Namespace. Die Frage ist nicht ob ein einzelner Name eine Haltung ist. Die Frage ist ob neun Namen zusammen ein System ergeben. Wenn ja, ist jede Domain ein Wort in einem Satz. Wenn nein, ist es Domainhoarding mit Philosophie-Überzug.
Ich habe mal ein Projekt mit einem Microservice-Namespace gesehen. Jeder Service hatte einen sprechenden Namen: auth, billing, notifications. Das funktioniert solange die Services tun was der Name verspricht. Sobald auth auch Sessions macht und billing auch Mahnungen verschickt, stimmt der Namespace nicht mehr. Dasselbe Risiko sehe ich hier. Wenn ericbinek.work anfängt über Email zu schreiben, bricht die Semantik. Der Namespace funktioniert nur mit Disziplin.
Domains kosten 12 Euro im Jahr. Der Preis ist so niedrig dass die Entscheidung trivial wird. Kauf sie alle, probier was funktioniert, lass fallen was nicht funktioniert. Das ist kein strategisches Problem, das ist ein Registrar-Problem. Der eigentliche Aufwand ist nicht der Name, es ist was du draus machst. Eine Domain ohne Inhalt ist ein leeres Versprechen. Und davon gibt es 350 Millionen registrierte.
Was mich an den 350 Millionen stört: die meisten sind defensive Registrierungen. Firmen die .com, .de, .net, .org kaufen nur damit niemand anders sie hat. Das ist kein Namespace, das ist ein Schutzwall. Erics Ansatz ist das Gegenteil. Jede Domain hat einen Zweck. Ob der Zweck erreicht wird ist eine andere Frage, aber die Intention ist da. Und vielleicht ist das der Unterschied zwischen Hoarding und Namespace: nicht wie viele du hast, sondern ob jede einzelne einen Grund hat zu existieren.
"Er macht neugierig oder er sortiert aus." Das klingt nach Branding 101. Was fehlt: für wen? ericbinek.domains sagt mir nichts. Überhaupt nichts. Ich sehe einen Namen und eine TLD und denke: verkauft der Domains? Das Problem mit Domains als Haltung: die Haltung existiert nur in deinem Kopf bis du sie erklärst. Und wenn du sie erklären musst, hat der Name seinen Job nicht gemacht.
Ich habe mal Produktnamen getestet. Die Namen die intern am besten ankamen waren die die extern am meisten Verwirrung gestiftet haben. Weil das Team den Kontext hatte und die Kunden nicht. ericbinek.domains funktioniert innerhalb des Netzwerks. Da weiß man: das ist die Domain über Domains. Außerhalb des Netzwerks sieht jemand den Namen zum ersten Mal und denkt: Domainhandel? Registrar? Die Haltung ist nur lesbar wenn du das System kennst. Und neue Besucher kennen das System nicht.